Der unholde Michael von Orschel


Michael von Orschel

wurde im Jahr 1069 in einem kleinen Dorf am Taunusrand als erster Sohn eines Schmiedes geboren. Als der väterliche Betrieb die Familie nicht mehr ernähren konnte, wurde er ins Kloster Loreshain geschickt, um rechnen, lesen und schreiben zu lernen. Einzig das Klosterleben oder eine Kirchenkarriere versprachen sein Überleben.

Als ihm die Klostermauern zu eng wurden, schickten ihn die Brüder zur weiteren Ausbildung gen Italien nach Rom. Doch er konnte sich mit dem vatikanischen Leben nicht anfreunden und zog auf eigene Faust bis in den äußersten Süden nach Apulien weiter. Dort schloss er sich den Männern des drei Jahre jüngeren Normannen Tankred von Tarent an.

Als Papst Urban II. im Jahr 1095 in Clermont zum Kreuzzug aufrief, folgte Michael ein Jahr später an Tankreds Seite im Heer von dessen Onkel Bohemund dem Ruf. Über Byzanz zogen sie ins Heilige Land und stürmten nach drei Jahren Jerusalem, wo er unermessliche Reichtümer errang. Später schloss sich Michael dem Heer des ersten christlichen Königs der Stadt, Balduin I, an und lernte einen ebenfalls dort dienenden fahrenden Sänger kennen, der ihm sein künstlerisches Handwerk beibrachte. Seite an Seite unterhielten sie die Waffenbrüder mit selbst gedichteten Liedern über ihre Taten.

Auch heute noch begegnet uns Michael an der Seite der unholden Spielleute überall, wo sich feiernde Kämpen, edle Damen und Herren und fröhliche Kinder versammeln, um sie mit den Liedern und Geschichten aus seinen Tagen im Heiligen Land zu unterhalten. Er schlägt die Trommel, schmettert die Fanfare und singt lauthals Kunde aus vergangenen Zeiten.

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